Xbox One Release und die Verteilung der Konsolen

Liebes Xbox-Support-Team,

 

meiner Beschwerde möchte ich vorab schicken, dass ich mit
meinen 31 Jahren bislang nie erwogen habe, mich zwecks Beschwerde an die
Hotline eines Konzerns von der Größe von Microsoft zu wenden, da ich bei Bekannten
und Freunden immer wieder mitbekommen habe, dass sorgfältig verfasste
konstruktive Beschwerden mit einer Standard-Antwort bedacht werden. Zudem ist
mir bewusst, dass ich wohl eher als Querulant wahrgenommen werde, als dass ich durch
eine Beschwerdemail etwas an der Situation positiv für mich ändern könnte. Doch
da das Thema mir einerseits am Herzen liegt und mich daher ziemlich verärgert.

 

Ich gehöre zu den „Glücklichen“, die in der Nacht zum 11.06.2013
eine Xbox One Day One Edition bei der Spielegrotte vorbestellt haben und nun, 3
Wochen vor Release bekommen habe. Obwohl ich mich selbst als Xbox Fan der
ersten Stunde bezeichnen würde, geht natürlich damit nicht die Welt für mich
unter.

Dennoch ärgert mich die offenkundige Bevorzugung der Big
Player, die dafür sorgt, dass Unternehmen wie Gamestop, Media Markt und vor
allem Amazon mit schier unendlichen Kontingenten bedacht wurden, demgegenüber
die regelrechte Austrocknung des Fachhandels oder unabhängigen Versendern wie
der Spielegrotte oder zahlreichen anderen steht. Nicht aus dem Wunschdenken
heraus, dass es „fairen Handel“ geben sollte, sondern weil der Vertrieb der
Konsolen zum Release scheinbar ohne Kundenorientierung geplant und durchgeführt
wurde. Und das hat zur Folge, dass ich und wahrscheinlich Tausende andere die
Leidtragenden sind und man das Gefühl bekommt, in die Arme von Amazon getrieben
zu werden. Denn dort ist die Konsole, zumindest in der Standard Edition noch
bis heute bestellbar, was für mich, als jemand der im Juni vorbestellt hat,
einem Schlag ins Gesicht gleich kommt. Und das sage ich als Inhaber eines
Amazon Prime Kontos. Grund meiner Enttäuschung ist das Gefühl als Kunde und
Xbox Fan in keinster Weise bei der Verteilung der Konsolen berücksichtigt
worden zu sein.

Ich spiele seit meiner Kindheit Videospiele und habe den Weg
von Nintendo’s Konsolen, über die Playstation 1 und 2 zur Xbox gefunden und
habe seitdem Microsofts Konsolen den Konkurrenzprodukten vorgezogen und diese
auch in persönlichen sowie Onlineforen-Diskussionen mitunter vehement
verfochten. Ich habe beide Vorgänger der Xbox One zum Release mein Eigen nennen
dürfen, und spiele unter dem Gamertag chill3san seit insgesamt über acht Jahren
Live Kunde recht regelmäßig. Und bis zum Anfang dieser Woche war ich voll
überzeugt von Microsoft’s Weg des Home Entertainments. Ich habe News zum
Release der neuen Konsole verschlungen.

Und als endlich Lieferumfang und Preis fest standen, habe
ich die Konsole am 11.Juni um 01:10 Uhr bei meinem Stammhändler, der
Spielegrotte vorbestellt. Um sicher nicht leer auszugehen habe ich als „Plan B“
bei einer Videothek in meiner Heimatstadt eine zweite Day One Edition bestellt
und angezahlt. Denn ich bin Euch marketingmäßig voll und ganz ins Netz gegangen
und die Idee einer Day One Edition, die mich als Fan erster Stunde ausweist, die
einen besonderen Controller und zudem noch FIFA 14 enthält, hat Begehrlichkeiten
bei mir geweckt.

Mittlerweile habe ich von beiden Geschäften eine Absage
erhalten mit der Ergänzung, einen anderen Liefertermin habe man auch nicht
erfahren können. Und das trotz Vorbestellungen im Juni! Und als Sahnehäubchen
darf man seinen Kollegen beglückwünschen, der seine von Amazon bestätigte Day
One Edition erst am 30.Oktober bestellt hat.

Um die fachliche Kompetenz der Spielegrotte aus meiner Sicht
zu beschreiben: Ich bestelle seit 2007 dort und habe bei mehreren Dutzend
Bestellungen nie Anlass zur Kritik gehabt. Auch die Videothek, bei der ich
bislang immer meine Konsolen von Microsoft vorbestellt hatte, hat mich vorher
nie im Stich gelassen, was vorbestellte Xboxen anbelangte. Insofern würde ich
ausschließen, dass die Jungs dort schlichtweg die Bestellung der Konsolen zu
defensiv oder zu spät getätigt haben.

Und die Absage-Mail der Spielegrotte, die sie sicherlich im
Wortlaut vorliegen haben, lässt ja auch auf anderes schließen. Sicherlich kann
man dieser Mail den Hang zur Dramatik nicht absprechen. Zudem kann ich schwer
einschätzen, wie das Anspruchsdenken von Microsoft in Bezug auf
"seine" Händler ist und wie witzig man es in der Vergangenheit empfand,
dass die Spielegrotte eine - nennen wir es - eigenwillige Interpretation von
Release-Embargos hatte. Eine bewusste Abstrafung der Spielegrotte würde ich
jedoch nicht annehmen, da man ja letztlich nur einer von vielen Händlern ist,
die sich einer ähnlichen Situation ausgesetzt sehen. Lediglich durch den
Umstand, dass sie in Deutschland meiner Einschätzung nach einer der größeren Videospiele-Versender
sind, wird die Angelegenheit vermutlich für ein größeres Blätterrauschen
sorgen, als die Tatsache dass auch „meine Videothek um die Ecke“ ohne jemals
gegen irgendein Release-Embargo verstoßen zu haben mit lächerlich kleinen
Mengen bedacht wurde.

Und nun stehe ich trotz zweifacher Vorbestellung im Juni 3
Wochen vor Release ohne eine Day One Edition da. Und da ich, ohne arrogant
klingen zu wollen, der Meinung bin, dass mir als „echter“ Xbox Fan oder
vielmehr meiner Passion keine einfache Standard Edition gerecht wird, habe ich
die Pläne fürs Erste ad acta gelegt, mir überhaupt noch eine Xbox One zuzulegen.
Da ich mir bewusst bin, wie freie Marktwirtschaft funktioniert, kann ich
nachvollziehen, dass ein derartiger Umsatzgigant wie Amazon mit steigendem
Umsatz auch sicherlich gewisse Forderungen stellt und auch legitim stellen darf.
Und wenn ein Konzern wie Microsoft seine umsatzstärksten Händler mit besonderen
Aktionen belohnt und exklusive Bundles oder Vorteilspakete für solche Partner
schnürt, kann man das ja nachvollziehen. Auch aus logistischen und ökonomischen
Gründen kann man das Ganze verstehen. Aber Videospielen weckt Emotionen und man
zielt bei Microsoft in Bezug auf die Xbox ja auch mit seinen
Marketingstrategien auf eben solche ab. Die Verteilung der Konsolen zum Release
aber scheinbar ausschließlich anhand ökonomischer und umsatzpolitischer Kriterien,
enttäuscht mich persönlich. Vor allem wenn ich feststellen muss, dass ich als
Kunde scheinbar keinerlei Rolle dabei gespielt habe, obwohl ich seit Release
der ersten Xbox in 2002 für Spiele, Zubehör und Konsolen mehrere Tausend Euro
investiert habe, die mir auf jeden Fall auch viel Spaß bereitet haben, aber besonders
während Studium und Schulzeit auch hart verdient werden wollten.

Vielleicht verfolge ich diesbezüglich eine „zu romantische“
Einstellung und wie bereits erwähnt ist die Intention meiner Mail nicht die, den
kläglichen Versuch zu starten, Druck aus zu üben oder eine Rechtfertigung oder
Wiedergutmachung zu erhalten. Aber als Kunde fühlt man sich gerne geschätzt.
Und so, wie sich der Release der Xbox One sich für mich darstellt, werde ich
das nicht.

Keine Angst…ich werde nicht ins Sony oder Nintendo Lager
wechseln. ;) Nur beraubt mich die Gewissheit, dass ich keine Day One Edition
bekommen werde, des Wertes der ganzen Konsole. Und insofern dürfen sie diese
Mail auch gerne als melodramatischen Abschiedsbrief eines enttäuschten Xbox
Fans ansehen. Trotzdem danke für die vielen schönen Jahre. Aber bei der Xbox
One bin ich raus!

 

 

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Last updated July 4, 2018 Views 8 Applies to: