Windows und SSD - Konfiguration und Optimierung

Technische Stufe : Standard

Zusammenfassung
SSDs sind schnelle Speicher und herkömmlichen Festplatten in fast allen Belangen überlegen. Im Netz geistern einige Tipps zur Optimierung herum, die die Lebensdauer erhöhen sollen. Was ist dran und welche Optimierungen sind tatsächlich notwendig? Der Wiki Artikel bezieht sich auf Windows 10, 8.x, berücksichtigt aber auch Windows 7.

Details
SSDs ("Solid State Disks") haben sich heute als schnelle Speichermedien insbesondere als Laufwerk für System und Programme durchgesetzt. Während die herkömmliche Festplatte Zeit benötigt, um auf der Oberfläche von einem Block zum nächsten zu springen ("Seek-Time"), passiert das bei Flash-Speichermedien quasi ohne Wartezeit. Die Flash-Bausteine, aus denen eine SSD aufgebaut sind, unterliegen allerdings einem gewissen Verschleiß, weswegen einige Dinge zu beachten sind.


Gleich vorab zusammengefasst: Windows 7, 8 und 10 erkennen SSD Speicher und stellen sich korrekt darauf ein. Es sind grundsätzlich keine speziellen Einstellungen auf Seiten des Betriebssystems notwendig und man benötigt weder Tools zu installieren, noch Registry-Änderungen durchzuführen. 

Der weitere Artikel beschäftigt sich in der Hauptsache mit Details, der Überprüfung der korrekten Einrichtung und der Entzauberung von so manchem "Trick", der sich in Anleitungen zur SSD "Optimierung" findet. 


Hardware, BIOS und Controller
SSDs werden heutzutage meist über SATA an den PC angebunden. SATA kann in verschiedenen Modi betrieben werden. Entweder wird ein SATA Gerät tatsächlich als solches erkannt und mit allen Funktionalitäten angesprochen ("Native Mode" oder "AHCI") oder es wird in einem Kompatibilitätsmodus als IDE bzw. PATA Gerät angesprochen, oft auch "Legacy Mode" genannt. 
Nur im AHCI Modus können die dringend notwendigen Features wie TRIM genutzt werden. Im BIOS Setup sollte also auf jeden Fall eingestellt sein, dass der SATA Controller im AHCI bzw. Native Mode arbeitet.


Partitionierung und Installation
SSDs sind nur dann schnell, wenn die Daten darauf auch passend zu den Blöcken der SSD ausgerichtet sind. Dieses "Alignment" wird von Windows 7, 8 und 10 bei der Partitionierung und Installation beachtet. 

Wird also eine SSD während der Installation von Windows automatisch oder manuell übers Windows Setup oder diskpart eingerichtet, ist alles in Ordnung und man braucht sich keinerlei Gedanken machen. 

Wer seine Partitionen aus speziellen Gründen mit anderen Tools einrichtet, sollte abklären, ob diese die Partitionen richtig ausrichten bzw. im Netz genauer zum Thema "Alignment" im Zusammenhang mit SSDs nachlesen.

Ob das Alignment richtig ist, kann man per diskpart überprüfen. Einfach Win+R drücken, diskpart eingeben und mit Enter bestätigen. Es folgt eine Abfrage der Benutzerkontensteuerung, die ebenfalls zu bestätigen ist. Danach kann mit list disk ausgegeben werden, welche Platten vorhanden sind, mit select disk nummer erfolgt die Auswahl der SSD und mit list partition die Auflistung der Partitionen.

Richtig ausgerichtet ist die ganze Sache, wenn die erste Partition an einem Offset beginnt, der durch vier teilbar ist.


Im Beispiel beginnt der Offset bei 1024 kB, geteilt durch vier sind das glatte 256 und somit ist die Ausrichtung korrekt.


TRIM und Garbage Collection
Um die Blöcke der SSD gleichmäßig abzunutzen und vor allem auch Performance-Einbrüche nach längerer Nutzung zu verhindern, verwendet eine SSD verschiedene interne Funktionen zur Verteilung von Daten und zum Aufräumen ("Garbage Collection"), die man nicht direkt beeinflussen kann. Man kann moderne SSDs von Seiten des Betriebssystems allerdings unterstützen, indem das Betriebssystem der SSD mitteilt, welche Daten gelöscht wurden. Die SSD kann damit dann diese Blöcke direkt wieder freigeben. Dadurch bleibt die Performance lange auf hohem Niveau. Windows 7, 8 und 10 können von Haus aus TRIM, solange die SATA Controller mitspielen. Die Treiber aller halbwegs aktuellen Controller sind dazu in der Lage. 

Um zu überprüfen, ob TRIM aktiv ist, reicht ein Kommando in der Eingabeaufforderung. Diese muss dazu als Administrator gestartet werden, d.h. bei Windows 8 über Win+X, Eingabeaufforderung (Administrator) oder bei Windows 7 über Start, Eingabe von cmd und Bestätigung mit Strg+Shift+Enter. Folgender Befehl kann dann ausgeführt werden: 

fsutil behavior query DisableDeleteNotify


Wird als Ergebnis "DisableDeleteNotify = 0" ausgegeben, ist alles prima und TRIM ist aktiv. Kommt die Ausgabe "DisableDeleteNotify = 1", ist die TRIM Funktion deaktiviert. Man kann Windows mit dem folgenden Befehl manuell anweisen, TRIM zu aktivieren: 

fsutil behavior set DisableDeleteNotify 0


Falls die Funktion nur in Windows noch nicht richtig eingestellt war, sollte der obige "query" Befehl jetzt "0" als Ergebnis liefern. Falls nicht, stimmen die BIOS Einstellungen in Sachen AHCI nicht, oder der Controller-Treiber spielt nicht mit.


Defragmentierung
Auf einer Festplatte werden Blöcke von zusammengehörigen Daten so angeordnet, dass schneller auf sie zugegriffen werden kann. Bei einer SSD fällt die Positionierung von Leseköpfen weg, insofern ist egal, ob die Daten verstreut sind. Jeder Block kann gleich schnell gelesen werden. Eine Defragmentierung ist schon aus diesem Grund unsinnig. Windows 7, 8 und 10 deaktivieren die automatische Defragmentierung, wenn eine SSD erkannt wurde. 

Unter Windows 8 und 10 bleibt weiterhin eine automatische Optimierung aktiv. Dies ist auch beabsichtigt und sollte nicht, wie in manchen Tipps fälschlicherweise geraten wird, deaktiviert werden.



Prefetching, SuperFetch und sonstige Optimierungen
Windows hat seit XP ein paar automatische Funktionen bekommen, die dafür sorgen sollen, dass das System und die Anwendungen schneller starten. Manches davon ist bei einer SSD nicht mehr nötig, so z.B. die automatische Anordnung von Dateien auf der Disk zum schnelleren Start. Windows deaktiviert diese Funktionen automatisch, sobald eine SSD erkannt wird. Es gibt Tipps für Windows 7, diese Funktionen manuell zu deaktivieren.
Eine Notwendigkeit ist aber auch dies nicht. Im Normalfall sollte man die Einstellungen einfach auf den Standardwerten lassen.


Dienste, Auslagerungsdatei oder Ruhezustand abschalten?
In vielen Tipp-Sammlungen finden sich seltsame "Optimierungs"-Hinweise wie die Deaktivierung von Ruhezustandsdatei, Auslagerungsdatei oder der indexbasierten Windows Suche. Diese sind meist weder notwendig noch sinnvoll. 

Wenn es auf der Systempartition platzmäßig sehr knapp wird und man den Ruhezustand definitiv nicht nutzt, kann man diesen bei Windows 7 schlicht deaktivieren, um den Platz zu sparen. Bei Windows 8 und 10 wird standardmäßig der Kernel beim Herunterfahren in den Ruhezustand versetzt, nachdem die Programme und Dienste beendet wurden. Hierbei wird eine deutlich kleinere Menge Speicherplatz benötigt und die Funktion beschleunigt das Starten erheblich. Diese Funktion sollte also nicht deaktiviert werden. 

Die Auslagerungsdatei bei Windows deaktiviert man nicht. Es ist sinnlos, es gibt keinen Vorteil dadurch. Wenn man sie tatsächlich abschaltet, legt Windows trotzdem eine solche Datei temporär an. 
Schon öfter habe ich gelesen, die Auslagerungsdatei auf eine Festplatte zu verlegen, um die SSD zu schonen. Auch das ist Unsinn. In der Hauptsache wird aus der Auslagerungsdatei gelesen. Zudem trägt die Geschwindigkeit, mit der auf die Auslagerungsdatei zugegriffen wird, zur allgemeinen Systemgeschwindigkeit bei. Es ist also sinnlos, sich eine schnelle SSD zu kaufen, das System danach dann durch die Verlagerung der Auslagerungsdatei zu bremsen.

Wer die indexbasierte Windows Suche nicht verwenden will, kann sie deaktivieren. Dies ist aber keine Notwendigkeit im Zusammenhang mit SSDs, keine "Optimierung" und für den Normalnutzer auch recht sinnlos. Warum sollte man nicht mehr nach Dateiinhalten oder Mails in Outlook suchen wollen, nur weil man eine SSD nutzt? 


Die SSD wird nicht als solche erkannt
Wenn Windows nicht auf einer SSD installiert wurde, sondern z.B. nachträglich mit Tools auf eine SSD kopiert, ist es möglich, dass die SSD nicht als solche erkannt und angezeigt wird. Hier hilft ein einfaches Mittel: die Systembewertung. 

Unter Windows 7 lassen sich einfach mit Win+Pause die Systemeigenschaften starten, auf Windows-Leistungsindex klicken und dort die Bewertung erneut ausführen lassen.

Unter Windows 8.x und 10 gibt es diesen Punkt nicht mehr. Hier kann die Neubewertung über eine Eingabeaufforderung als Administrator durchgeführt werden. Der Befehl zur vollständigen Neubewertung dort lautet

winsat formal -restart clean

Ist dies durchgelaufen, den PC neu starten und erneut prüfen, ob die SSD nun als solche erkannt wird. Wenn nicht, wäre der Blick noch einmal auf den Punkt Hardware, BIOS und Controller weiter oben zu richten.



Fazit
Es gibt viele Dinge, die man beachten und überprüfen kann, aber in den meisten Fällen nichts, was man beachten muss. SSDs funktionieren unter aktuellen Windows Versionen "out of the box" ohne Einschränkungen und wieder mal sind viele der "Tipps" und "Tricks", die man im Netz zum Thema findet, eine Mischung aus Esoterik und Unsinn. 

 

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Letzte Aktualisierung am 22 Oktober, 2018 Aufrufe 174.379 Gilt für:

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Thema Defragmentierung/Optimierung;

Windows 7 und 8 deaktivieren die automatische Defragmentierung, wenn eine SSD erkannt wurde. 

Unter Windows 8 bleibt weiterhin eine automatische Optimierung aktiv. Dies ist auch beabsichtigt und sollte nicht, wie in manchen Tipps fälschlicherweise geraten wird, deaktiviert werden.

Wie passt das zusammen?

Oder gibt es einen Unterschied zwischen Defragmentierung und Optimierung? 

Vielen Dank für die Übersicht.

Bei mir ergibt sich aber ein Frage zum Thema "Partitionierung und Installation".

Ich habe das Windows 7 Starter bei meinen TOSHIBA Netbook NB510 per USB auf eine neue SSD Festplatte aufgespielt. Die Partitionierung ist wie folgt:

Partition 1 Wiederherstellung 1500 MB 1024 KB
Partition 2 Primär                    220 GB  1501 MB
Partition 3 Primär                      10 GB    221 GB

Weder 1501 noch 221 sind ganzzahlig durch 4 teilbar und die Performance ist im Vergleich nur "normalen" HDD nicht wirklich besser.

Sollte ich (und wie?) die Partition 2 verschieben/-ändern?

Danke für eine Rückmeldung im voraus.

Bernd Köhler
Sehr gut!
Vielen, vielen Dank!

Ich habe meine SSD über Image-Rückführung bestückt (erstellt auf einer herkomlichen Festplatte).
Wahrscheinlich habe ich danach den Leistungsindex ausgeführt, weil sie alle genannte Prüfungen bestanden hat.

Gruß -.- Mimatete

Rechtschreibfehler betonen den künstlerischen Charakter der Autorin.

Danke für den Artikel. Habe gerade folgenden Thread entdeckt:

http://www.hardwareluxx.de/community/f227/warnung-windows-8-defragmentiert-ssds-930036.html

Und tatsächlich, auch meine SSD wird defragmentiert! Habe nur eine SSD im PC und keine weiteren Festplatten. Gibts es dafür von Microsoft schon einen Fix bzw. ist das überhaupt schon als Problem bekannt?

Bei der Nutzung des Schnellstarts wird nur ein kleiner Bereich des Speichers auf die Platte geschrieben, nicht der komplette Inhalt des Arbeitsspeichers. Programme werden vorher beendet.

Die Ruhezustandsdatei wird nur dann vollständig genutzt, wenn auch tatsächlich der Ruhezustand ausgeführt wird, d.h. das komplett laufende System in Ruhezustand versetzt wird. 

Ob die Leute sich bei Festplatten oder anderen Komponenten auch solche Sorgen machen würden, wenn die einen gut einsichtbaren Verschleißindikator wie SSDs hätten? Alles verschleißt, auch SSDs, Festplatten, Lüfter oder sonstige Komponenten. 

Deine SSD wird bei normaler Benutzung den Rest des PCs locker überleben. Auch wenn du dich überhaupt nicht um ihr Wohlbefinden kümmerst. 

Ich habe eine alte 240 GB SSD entsorgt, die tatsächlich totgeschrieben wurde. Der Hersteller garantiert 77 TBW, d.h. 77 Terabytes können garantiert geschrieben werden. Die SSD hatte bei ihrem Ableben 780 TB geschrieben, d.h. die mehr als zehnfache Menge! Dazu steckte sie über drei Jahre lang in einem Fileserver als Cache-Medium und wurde dort quasi rund um die Uhr gequält. 

Geh mal einfach von dem Gedanken weg, du müsstest eine SSD schonen. Du nutzt sie einfach. Und falls sie in zehn Jahren kaputt sein sollte, interessiert das niemanden, weil du sie in fünf Jahren schon ersetzt, da zu klein, zu lahm, falsches Interface oder völlig andere Technik. 

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Wenn ein unerwarteter Fehler aufgetreten ist, frage ich mich immer, welche Fehler erwartet wurden...
Die Funktion heißt "DisableDeleteNotify". Wenn man die Funktion zum Abschalten von TRIM aktiviert, ist TRIM abgeschaltet. Deaktiviert man die Funktion zum Abschalten, ist TRIM an. Also ist 0 = Deaktiviert völlig richtig. 
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>Wenn Windows nicht auf einer SSD installiert wurde, sondern z.B. nachträglich mit Tools auf eine SSD kopiert, 

>ist es möglich, dass die SSD nicht als solche erkannt und angezeigt wird.

Wie kann denn zweifelsfrei überprüft werden, ob eine SSD tatsächlich als SSD erkannt wurde? Insbesondere im erwähnten Szenario (z.B. Imagetransfer von Festplatte auf SSD) ist das interessant.

Thorsten

Dann lies mal den letzten Beitrag des Threads dort. Und dann vergleiche den Fragmentierungsgrad der SSD vor und nach der Optimierung. Hat sich an der Fragmentierung nichts geändert, gabs auch keine Defragmentierung. 

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Wenn ein unerwarteter Fehler aufgetreten ist, frage ich mich immer, welche Fehler erwartet wurden...

Die Kommentare sind für Kommentare, Ergänzungen o.ä. zum Artikel gedacht. 

Für konkrete Hilfe zu deinem Problem stell deine Frage bitte als neue Frage im Forum. Du kannst dich dabei ja gerne auf den Wiki Artikel beziehen und verraten, was genau du umgesetzt hast.

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Natürlich hat "Deaktiviert" was zu sagen, sonst würde es da ja nicht stehen. Das "Deaktiviert" bedeutet, dass die Funktion zum Abschalten von TRIM nicht aktiv ist. Schrieb ich doch grad. 

Dass dort nicht mehr nur 0 steht, sondern auch noch "(deaktiviert)" ist eine Änderung aus einer der letzten Windows 10 Versionen. 

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